Screening und Diagnose

Videos-Tutorials und Service-Material

Durch ein schnell durchzuführendes Screening können Sie eine diabetischen sensomotorischen Polyneuropathie (DSPN) rechtzeitig erkennen und dadurch Komplikationen verhindern!

In Experten-Videos und dem klinischen Untersuchungsbogen erhalten Sie die wichtigsten Informationen für eine leitliniengerechte Untersuchung auf DSPN kompakt und praxisnah zusammengefasst.

Video: Diabetische Neuropathie – leitliniengerechte Untersuchung in 5 Minuten

Der Arzt und Neuropathie-Experte Gidon Bönhof demonstriert wie eine leitliniengerechte Untersuchung erfolgen kann und worauf dabei zu achten ist.

Video: Die zehn häufigsten Fallstricke bei der Neuropathie-Untersuchung

Neuropathie-Experte Prof. Dr. med. Dan Ziegler erklärt, was bei der Untersuchung häufig falsch gemacht wird und worauf zu achten ist.

Service: Klinischer Untersuchungsbogen und Abrechnungs-Tipps zum Downloaden

Laden Sie sich hier einen klinischen Untersuchungsbogen mit den relevanten Scores, Grenzwerten sowie Tipps für die Untersuchung und Diagnosestellung der diabetischen sensomotorischen Polyneuropathie in der Praxis herunter.

Wirtschafts- und Abrechnungs-Tipps zum Screening auf diabetische Neuropathie erhalten Sie im Abrechnungs-Guide.

Untersuchung auf DSPN

  • Bei Patienten mit Typ-2-Diabetes sollte das Screening ab dem Zeitpunkt der Diabetesdiagnose erfolgen,
  • bei Patienten mit Typ-1-Diabetes spätestens fünf Jahre nach der Diabetesdiagnose.
  • Bei einem negativen Screening sollten Sie es jährlich wiederholen.
  • Die Diagnosestellung sollte in der klinischen Praxis anhand spezifischer Neuropathie-Scores erfolgen.
  • Bei nicht eindeutiger Diagnose sollte der Patient an einen Spezialisten überwiesen werden, der eine komplexe Neuropathie-Untersuchung durchführen kann.

Die Untersuchung auf diabetische sensomotorische Polyneuropathie (DSPN) umfasst die Anamnese, eine klinische Untersuchung und einfache neurologische Tests zur Überprüfung der Funktion der Nervenfasern.

Neben den allgemeinen anamnestischen Angaben des Patienten ist insbesondere die Erfassung aktueller diabetesspezifischer Befunde von Bedeutung. Typische Hinweise auf eine neuropathische Störung sind Symptome wie Missempfindungen, Kribbeln, Brennen / Schmerzen, Taubheitsgefühl oder auch eine Stolper- und Fallneigung. Diese sollten mit gezielten Fragen beim Patient in Erfahrung gebracht werden. Zur Erfassung und Quantifizierung der Symptome empfiehlt sich die Verwendung des Neuropathie-Symptom-Scores (NSS).

Die klinische Untersuchung und Inspektion der Füße sollte beidseitig erfolgen. Dabei sollten Sie auf folgendes achten:

  • Anzeichen für Durchblutungsstörungen (z. B. Temperatur und Farbe der Haut),
  • Hautläsionen oder
  • Fußdeformationen.
  • Messung der Fußpulse (gibt Hinweise auf eine vorliegende Durchblutungsstörung).

Zum Nachweis von Defiziten werden einfache neurologische Tests empfohlen, die sowohl die Funktionsfähigkeit der großen Nervenfasern als auch der kleinen Nervenfasern erfassen können. Auch diese Untersuchungen sollten immer bilateral und im Seitenvergleich durchgeführt werden. Zur Erfassung und Quantifizierung der neuropathischen Defizite empfiehlt sich die Verwendung des Neuropathie-Defizit-Scores (NDS).

Prüfung der Funktion der großen Nervenfasern:

  • Überprüfung des Achillessehnenreflexes,
  • Überprüfung des Vibrationsempfindens mit der 128-Hz-Stimmgabel nach Rydel-Seiffer,
  • Überprüfung des Druck- und Berührungsempfindens mittels 10g-Monofilament.

Prüfung der Funktion der kleinen Nervenfasern:

  • Überprüfung des Temperaturempfindens z.B. mit Tip-Therm® oder kaltem Metall,
  • Überprüfung der Schmerzempfindung z.B. mit Neurotips oder Zahnstocher.

Neuropathie-Scores

Zur quantitativen Befunderhebung und Verlaufsbeobachtung können mit dem Neuropathie-Symptom-Score (NSS), dem Neuropathie-Defizit-Score (NDS) und mit Hilfe einer Schmerzskala (visuelle Analogskala (VAS) oder numerische 11-Punkte Ratingskala (NRS)) die neuropathischen Symptome und Defizite erfasst und bewertet werden.

  • NSS: Erfassung, ob Neuropathie-typische Symptome vorliegen anhand von Art, Zeitpunkt und Lokalisation der Beschwerden
  • NDS: Erfassung der neuropathischen Defizite anhand der neurologischen Tests, welche beidseits durchgeführt werden
  • VAS/NRS: Erfassung der Schmerzintensität, vor allem um im Behandlungsverlauf den Erfolg einer Schmerztherapie zu beurteilen

Einen klinischen Untersuchungsbogen mit NSS, NDS, einer Schmerzskala (NRS), praktischen Tipps und den jeweiligen Grenzwerten können Sie hier herunterladen. Mit Hilfe des Bogens können Sie alle Befunde erfassen und bewerten.

Frühzeitige Therapie

Nach der Diagnose-Stellung sollte frühzeitig eine Therapie eingeleitet werden, um das Voranschreiten der Erkrankung und Folgekomplikationen zu vermeiden.

Ziel der Therapie ist es, die Progression der Nervenschädigung aufzuhalten, Symptome der Patienten zu lindern und Folgekomplikationen wie das Diabetische Fußsyndrom zu vermeiden.

Hier erhalten Sie weitere Informationen zur Therapie.

Weiterführende Diagnostik

Eine weiterführende komplexere Diagnostik wird empfohlen, wenn die Verdachtsdiagnose durch die bereits durchgeführten neurologischen Untersuchungen nicht gesichert werden kann1. Die weiteren Untersuchungen sollten von einem Spezialisten durchgeführt werden und beinhalten:

  • Messung der Nervenleitgeschwindigkeit: erfasst die Funktion der großen Nervenfasern.
  • Messung der Nervenfaserdichte und weiterer Nervenfasereigenschaften: erfasst die Funktion der kleinen Nervenfasern. Die Nervenfaserdichte kann mittels einer Hautbiopsie (minimalinvasiv) oder in der Kornea durch korneale konfokale Mikroskopie (nichtinvasiv) gemessen werden.
  • Quantitative Messung der Temperatur- und Schmerzsensitivität: erfasst die Funktion der kleinen Nervenfasern.

Differentialdiagnose

Nicht jede Neuropathie beim Diabetiker ist eine diabetische Neuropathie. Oft ist eine gemischte Pathogenese wahrscheinlich. Deshalb ist es wichtig, weitere Faktoren, die eine Neuropathie auslösen oder verstärken können, zu berücksichtigen. Dazu zählen:

  • Alkoholkonsum – eine Alkoholanamnese des Patienten sollte erhoben werden.
  • Vitamin-B1-Mangel – dieser liegt häufig bei Diabetespatienten vor 2.
  • Vitamin-B12-Mangel – dieser kann insbesondere bei einer Metformineinnahme auftreten 3,4.

In die differentialdiagnostische Betrachtung sollte zusätzlich mit einfließen, ob zum Beispiel eine Niereninsuffizienz, eine periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK), eine Hypothyreose, eine Paraproteinämie, berufstoxische Ursachen oder Nebenwirkungen von Arzneimitteln vorliegen. Auch eine zusätzliche Beteiligung des autonomen Nervensystems sollte geprüft werden.

Die nationale Versorgungsleitlinie „Neuropathie bei Diabetes im Erwachsenenalter“ empfiehlt für die differentialdiagnostische Abklärung die Bestimmung folgender Laborparameter: Blutbild, Kreatinin, BSG, TSH, Vitamin B12, Folsäure, Alanin-Aminotransferase (ALAT), Gamma-GT und Immunelektrophorese (Paraproteinämie) 1.

Verlaufskontrolle

Die nationale Versorgungsleitlinie „Neuropathie bei Diabetes im Erwachsenenalter“ empfiehlt eine Verlaufskontrolle abhängig von der aktuellen Befundsituation5:

  • Bei Patienten mit Neuropathie oder Neuropathieverdacht wird eine mindestens halbjährliche Kontrolle empfohlen.
  • Bei zusätzlichen Beschwerden, bereits vorhandenen Fußdeformitäten oder einer peripheren arteriellen Verschlusskrankheit (pAVK) sind Untersuchungsabstände von drei Monaten sinnvoll.

Zur Verlaufskontrolle kann die Dokumentation mittels Neuropathie-Scores hilfreich sein.